Über Essen und Über-Essen

Hallo ihr Lieben.

Es ist Samstagabend, ich sitz allein vor dem Fernseher auf dem Sofa und schreib diesen Blogpost für euch. Ein Blogpost über eine Sache, die mir unglaublich wichtig ist, mich so viel Zeit und Kraft gekostet hat. Mir so vieles genommen hat. Manche von euch haben wahrscheinlich vorgestern meine Texte in Instagram zu diesem Thema gelesen:

Immer wieder bekomme ich Nachrichten, wo ich gefragt werde, wie ich es schaff, so diszipliniert zu sein. und wie ich es hinbekomme, nicht alles Süße wahllos in mich reinzustopfen. Nachrichten von Mädels, die sich so schlecht fühlen, weil sie es nicht schaffen abzunehmen, dass sie nach paar Tagen diszipliniert sein mega den Heißhunger bekommen und alles für die Katz war. Das Bild hier hab ich gestern morgen vor meiner Frühschicht gemacht. Ich arbeite neben der Uni 3 mal die Woche beim Bäcker. Sprich ich steh dann 6 Stunden vor einer großen Theke voll mit Kuchen und Gebäck. Und das OHNE es zu essen. Ich bin ein Feind von Sätzen wie „gönn dir doch mal was“ oder „1 Stückchen am Tag ist doch ok“. Für manche wird das ja vielleicht zutreffen, nicht aber für jemanden wie mich. Jemanden der über einen längeren Zeitraum mal so die Kontrolle verloren hatte über sich und das Essen. Jemanden, der es regelmäßig fertiggebracht hat an einem Tag bis zu 10000kcal in sich reinzustopfen. Und ich sag euch, die Bauchschmerzen sind da nicht das schlimmste. Das Gefühl, dass man versagt hat und wieder nichts geschafft hat, das ist das schlimme. Man fühlt sich machtlos und lässt den Körper einfach machen. Denkt man. Aber der einzige, der in dem Moment handelt, ist man SELBST.

Du alleine setzt dich ins Auto, fährst zu Rewe und kaufst dir 5 Tafeln Schokolade und ne Pizza. Weil du denkst, dass du das jetzt musst. Dass jetzt sowieso alles egal ist. Nein! Ist es nicht. hinterher wirds dir einfach wieder schlecht gehen. Von mal zu mal wirds schwerer aufzuhören. Aber du kannst das hinkriegen! 💕 so wie ich. In den meisten Fällen resultiert Heißhunger (und hiermit meine ich den eben beschrieben krankhaften Heißhunger) aus einer Diät. So war das auch bei mir damals. Aber im Gegensatz zu den ganzen Meinungen von Therapeuten und was weiß ich nicht allem bin ich der Meinung, dass die emotionale Komponente meist kaum eine Rolle dabei spielt. Dieses ganze man muss die Ursache finden blabla ihre Probleme lösen blabla, erst dann schaffen sie das. Für mich war immer das Problem das Essen an sich. Ich hab gefressen, wenn ich traurig war. Ich hab gefressen, wenn ich glücklich war. Aus Langeweile, wenn ich im Stress war. Wenn es mir mega gut ging. aus dem Nichts kam einfach immer dieses mega Verlangen alles zu essen, was mir in die Finger kommt. tagelang stark gewesen, jetzt die Kontrolle verlieren in einem Moment der „Schwäche“.

Jedes Mal denkt man sich, okay, das eine mal noch und ab da an nie wieder. und es passiert trotzdem immer und immer wieder. Bei mir ging das 2 Jahre lang so. Und egal wie lächerlich das klingen mag, das einzige, was mir geholfen hat, war einfach aufzuhören. Es nicht mehr zulassen. Das ist unglaublich schwer und man sitzt da und wird fast verrückt und fühlt sich wie ein Junkie, der jetzt unbedingt seinen Stoff braucht. Das mag für manch einen lächerlich klingen, aber so beschreib ich es am liebsten. wer mal in der selben Situation war/ist, der kennt das Gefühl. Und das schlimmste ist, dass unsere Droge, das Essen, eine unverzichtbare Sache ist. Ein Alkoholiker hört auf zu Trinken, ein Drogenabhängiger wird auf Entzug gesetzt und hält sich von Drogen fern. Der Feind wird ausgeschaltet. Aber das Essen lässt sich nicht fernhalten oder ausschalten. Man kann es nicht umgehen. Sondern man muss lernen, dass man in dem Moment, wo dieses Verlangen so viel zu Essen bis man denkt man platzt, kommt, die Kontrolle behält. Du weißt genau, wie schlecht es dir danach geht. Dass das nichts mit Genuss oder Freude zutun hat. Und dass das somit nicht du bist, der die Unmengen essen will. Sondern irgendwas in dir, das laut wird und meint, dir sagen zu können, was du jetzt tun sollst. du darfst diese Stimme nicht laut werden lassen. Du willst nicht essen bis du wahnsinnig bauchweh hast. Und du willst nicht dass dein Magen kaputt geht. Also lass es nicht zu. Wenn du dir sicher bist, dass die Ursache nicht persönliche Probleme, Stress oder Trauer sind, dann gilt es einzig und allein diese dumme Stimme im Kopf auszuschalten und dich freizumachen von dem Ganzen. Die erste Voraussetzung ist, dass du wirklich aufhören willst, es zu tun.

Solang irgendwo in dir noch was ist, was das ganze in dem Moment genießt oder irgendwie hass – liebt, dann kann das nicht funktionieren. Es ist REIN GAR NICHTS positives daran. Es ist schlecht für dich und deinen Körper. Punkt. und soll ich euch was sagen? Ich hab irgendwann einfach damit aufgehört. Was auch damit zusammenhängt, dass ich mit der Zeit an dem Tag nachdem ich so viel gegessen hab mich körperlich unglaublich schlecht gefühlt hab. Unglaublich müde, die Haut hat und Muskeln haben wehgetan, wenn man von außen drauf gedrückt hat. Oft war mein Gesicht geschwollen (ich hab aber NIE gekotzt!). Hab mich quasi gefühlt wie nach einer Nacht im Vollsuff. Ich schreib euch noch einen ausführlicheren Blogpost über das Ganze. Und wieso ich das so öffentlich erzähle? Ihr glaubt nicht, wie viel Überwindung das kostet. Und wie unangenehm mir das ist, weil mir auch viele folgen, die mich persönlich kennen. Aber wenn ich nur einem Menschen auf der Welt helfen kann mit dem was ich mache, dann wars das wert.

Diese Texte möchte ich jetzt ergänzen und das Thema vertiefen. Ich möchte, dass jeder, der unter solchen extremen Attacken leidet sich das folgende zu Herzen nimmt: Zuerst einmal, du bist nicht alleine. Du bist einer von Tausenden, der irgendwann die Kontrolle verloren hat. Der gestern noch fröhlich auf der Waage stand, weil er wieder 1kg verloren hat und heute weinend zwischen einem Haufen Krümeln, Verpackungen und Essensresten sitzt. Sich wie ein Versager fühlt. Die panische Angst zuzunehmen sitzt dir im Nacken. Trotzdem kannst du nicht aufhören und isst weiter. Solange, bis einfach nichts mehr reinpasst. Wenn du zu dieser Kategorie Menschen gehörst dann möchte ich dir 2 Dinge sagen: 1. Musst du dich für rein gar nichts schämen oder hassen.und 2. du kannst etwas ändern an deiner Situation. Du kannst wieder glücklich werden, normal essen und dich wohlfühlen. Das Leben genießen.

Den ersten Schritt findet ihr bereits weiter oben im Text. Du musst es wirklich wirklich wollen. Dir eingestehen, dass du ein Problem hast, das geändert werden MUSS. Es ist dein Körper, dem du schadest. Es ist deine Psyche, die leidet. Du musst jeglichen Zweifel, dass du es nicht schaffen kannst, ausschalten und an dich selbst glauben. Ich wünschte, ich hätte das damals früher getan. Ich muss zugeben, dass ich es erst begriffen hab, als es mir nach solchen Tagen körperlich wirklich schlecht ging. von Mal zu Mal schlimmer. Nicht nur Magenschmerzen, sondern unglaubliches Sodbrennen und ein extrem gedehnter Magen. Ich kann noch heute essen, als wäre mein Magen ein riesiges Fass ohne Boden, da ich kein wirkliches Sättigungsgefühl hab. Und wenn ich mal Süßes oder Fettiges esse, dann hab ich auch heute oft Sodbrennen am Tag danach. Je früher man aufhört, desto besser.

Der zweite Schritt ist es deinen Körper und Nahrung als Freund zu sehen. Du hast nur diesen einen Körper. So wie man in den Wald hineinruft schallt es ja bekanntlich wieder heraus. Du musst lernen gewisse Dinge zu akzeptieren. Wenn du von Natur aus breite Hüftknochen hast, dann kannst du das nicht ändern. Wenn du von Natur aus ganz schmal bist, dann wirst du niemals eine Wespentaille haben. Und auch wenn du Speckröllchen am Bauch hast, die du loswerden willst, nichts geht ohne Essen. Essen gibt dir Kraft, Essen ist überlebenswichtig. Ob mit Freunden, der Familie oder alleine. Essen soll gut tun. In allen Kulturen kommen die Menschen zusammen um zu essen. Willst du mit deinen Freunden einen lustigen Dvd Abend mit Pizza haben oder absagen, weil du den ganzen Tag alleine in deinem Zimmer alles mögliche in dich reingestopft hast?

All das muss dir bewusst sein. Und du musst vernünftig sein. Das LETZTE, was dir helfen wird, ist dir nach einem solchen Tag zu schwören, dass du am darauffolgenden Tag ganz wenig essen willst. Teufelskreis. Denn ehe du dich versiehst, machst dus wieder. und wieder. Frühstück, Mittag, Abendessen. Keine Mahlzeiten auslassen. Einen Rhythmus in dein Essverhalten bringen. Dann kannst du es schaffen.

AAABER wenn du glaubst, dass deine Fressanfälle tiefere Ursachen haben, als „nur“ das Essen an sich, such dir Hilfe. Denn da bringen auch meine Tipps nicht. Das gilt auch für diejenigen, die sich den Finger in den Hals stecken. Holt euch so schnell wie möglich Hilfe.

5 Kommentare zu “Über Essen und Über-Essen

  1. Danke für deine Worte! Es tut so gut zu wissen es gibt noch mehr die das problem haben.
    Deine Worte haben mir sehr gut getan! Ich habe es schonnmal geschafft also werde ich es wieder schaffen 🙂

  2. hey,ich bin über instagram auf deinen blog gestoßen. und wollte dir danke sagen! danke für deinen text, du sprichst mir aus der seele. mir gehts momentan genauso und meine gedanken kreisen 24/7 nur ums essen und um die angst zunzunehmen aber trotzdem esse ich zu viel bzw kann nach mahlzeiten nicht aufhören. ich befolge deinen tipp und HÖRE AUF mit meinem verhalten. danke danke danke

  3. Ich hab auch sehr lange 24/7 an Essen gedacht und muss sagen ich würde es wahrscheinlich immer noch tun wenn ich nicht aus meiner alten Umgebung rausgekommen wäre. Ich bin jetzt im Ausland und habe mir einfach gedacht, dass ich diese Zeit einfach nur genießen will und mir da nicht so was wie Essen den Spaß nehmen darf. Aber was mir nicht bewusst war, dass mir diese Lebensqualität auch vorher gefehlt hat und man sein Leben genießen sollte egal wo man ist. Und ich will nicht zurück kommen und dieses gute Gefühl hier lassen. Danke nati du schreibst einfach so unglaublich gute Texte die definitiv nicht nur einem helfem.

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