der Weg zu einem gesunden Essverhalten und wieso du noch über 6000 mal Schoki essen kannst :-)

Täglich erreichen mich Emails, in der Mädels mir ihre Geschichte erzählen. So verschieden diese Geschichten auch sind, drehen sie sich alle um das eine: ein ungesundes/unnormales Essverhalten. Ich möchte es nicht Essstörung nennen, da dies oft sofort mit Bulimie oder Magersucht verbunden wird. Die Krankheiten, die jeder kennt. Außerdem ist es schwer zu definieren, wo eine Essstörung anfängt. Für mich beginnt ein ungesundes Essverhalten dort, wo man sich permanent mit dem Essen beschäftigt und es zum gedanklichen Lebensmittelpunkt wird. Die Gedanken nur noch darum kreisen, wann man wie viel essen darf, was man essen darf. Die stetige Angst vor dem Zunehmen oder auslassen von Mahlzeiten, das ständige nachrechnen im Kopf von Kalorien oder Nährwerten und dass man selbst realisiert, nicht mehr unbeschwert und fröhlich essen zu können. Das kann einen genauso kaputt machen, wie eine Magersucht oder Bulimie. Ich spreche aus Erfahrung (einfach meinen Blogpost „Über Essen und Über-Essen lesen“). Und an alle, die sich damit identifizieren können: es gibt einen Ausweg! ❤ ihr müsst nicht den Rest eures Lebens mit diesen Gedanken leben und ihr könnt es zurückschaffen zu einem normalen Essverhalten. Ich möchte euch nun ein paar Wegweiser zeigen, die euch auf eurem weg hilfreich sein können. Und das nicht nur in Bezug auf Essen, sondern auch in anderen Lebenslagen.

1. Sich eingestehen, dass man ein Problem hat und dass man etwas ändern MUSS.

Es klingt so einfach, ist aber oft ein langer Prozess. Zu realisieren, dass das, was man tut, nicht mehr normal ist und was da eigentlich mit einem passiert, fällt vielen Menschen nicht leicht. Ein gestörtes Essverhalten zu haben ist keine Grippe, die von heute auf morgen kommt und nach ein paar Tagen ablklingt. Es ist ein schleichender Prozess, den man oft erst realisiert, wenn man mittendrin steckt. Unglücklich ist. Und noch schwerer als zu realisieren, dass man ein Problem hat und vielleicht Hilfe braucht, ist es  sich klarzumachen, dass sich etwas ändern muss. Man sich selbst ändern muss. Nicht morgen, nicht übermorgen. Sondern heute und jetzt. Wenn es dir so geht, dann musst du dich deswegen nicht schlecht fühlen. Es liegt in der Natur des Menschen, seine eigenen Schwächen oder Probleme oft nicht sofort zu erkennen. Aber wenn du es dann tust, ist der erste Schritt geschafft auf dem Weg zurück in ein gesundes und unbeschwertes Leben.

2. Sich damit vertraut machen, den alten Verhaltensmustern lebe wohl zu sagen

Wenn du realisiert hast, dass du ein Problem hast und sich etwas ändern muss, dann musst du dich auch davon verabschieden, weiter in diesem Schema zu handeln und zu denken. Wenn du wie ich vor 2 Jahren an mega Fressanfällen leidest, dann musst du dir auch selbst klarmachen, dass das nie wieder passieren soll. Natürlich wird es nicht von heute auf morgen weggehen. Das kann sehr lange dauern und hart werden und anstrengend. Aber sobald irgendwo in dir noch etwas ist, was diese Fressanfälle ein Stück weit hass-liebt (Betroffene wissen, was ich meine), hast du schon verloren. Es ist nichts positives daran, alles, was man liebt auf einmal in sich reinzustopfen. Du musst dich für immer von dem verabschieden, was vielleicht monatelang oder sogar jahrelang dein Leben kontrolliert und bestimmt hat. Du und die Fressanfälle seid euch ab jetzt fremd. und auch, wenn sie in manchen Momenten so nah sein werden, du willst sie nicht! Auch nicht, wenn du traurig bist oder Kummer hast. Du brauchst sie nicht ! Das gilt genauso für das Kalorienzälen oder Abwiegen von Essen. Weg mit der Waage! Und sobald du im Kopf anfängst, mitzurechnen, was du isst und deine innere Alarmglocke aufleuchtet, dass du schon 100kcal mehr gegessen hast, als du wolltest, musst du stop sagen! Auch ich hab jahrelang Kalorien gezählt und wurde fast wahnsinnig, wenn mein tägliches Ziel von 1500 überschritten wurde. Ich kenn die Kalorienangaben von so gut wie jedem Lebensmittel auswendig, genauso wie die Nährwerte. Aber nicht zu zählen funktioniert trotzdem! Sobald der Gedanke daran kommt, verwerfe ich ihn. Ich lass ihn gar nicht wirken und denke an etwas anderes. Es funktioniert!

3. Sich von dem Gedanken verabschieden, abzunehmen und Diät zu halten

..Natürlich nicht für immer. Nur solange, bis du wieder zurück in die Normalität gefunden hast. Natürlich darfst du irgendwann wieder abnehmen, wenn du ein paar Kg zu viel hast. Du darfst auch Ernährungstagebuch führen und natürlich gesund essen. Gesund werden heißt ja nicht, dass du jetzt jeden Tag Schoki essen sollst oder eine Pizza und dir jeden Tag „gönnen“ musst. Aber wenn du von deinem ungesunden Verhalten wegkommen willst, dann darf im nächsten Moment nicht der Gedanke „ich will aber trotzdem jetzt sofort abnehmen“ folgen. Das bringt nur alles durcheinander. Du kannst nicht von Fressanfällen und zwanghaftem Kalorien zählen wegkommen, wenn der darauffolgende Gedanke der ist, dass du unbedingt weiter abnehmen musst. Das funktioniert nicht. Denn genau das ist ja bei vielen überhaupt die Ursache, dass das ungesunde Verhalten angefangen hat. Das menschliche Bewusstsein kann ganz schön tückisch sein. Vielleicht haben dich Süßigkeiten nie groß interessiert, bzw du hast sie ab und an gegessen, ohne dir Gedanken darüber zu machen. Aber ab dem Moment, wo sie verboten sind, hast du plötzlich immer öfters total Lust drauf. Ist das nicht komisch?! Meist will man genau das, was man nicht haben kann oder darf. Und das müssen wir ändern. Du darfst Süßigkeiten essen. Und du darfst Butter und Nutella auf dein Brot essen. Und vor allem darfst du Essen als Freund und Genuss sehen. Etwas so Alltägliches und Überlebenswichtiges darf kein Feind für dich sein. Du musst lernen, in Maßen zu essen. Bei der Lust auf Schokolade eine Tafel zu essen, nicht 4 und anschließend ne Packung Kekse und nen Kuchen. Das ist hart und ein schwerer Kampf. Aber weißt du eigentlich, wie stolz du sein wirst, wenn du am Morgen aufwachst und dir klar wird, dass du es am Vortag geschafft hast? Eine Tafel Schokolade zu essen ohne dich daraufhin vollzustopfen? Nicht aufzuwachen mit einem absoluten Foodkoma und dickem aufgeblähten Bauch und Sodbrennen? Das  Fressen brauchst du nicht und willst du auch nicht. Du sollst mit deinen Freunden essengehen und nicht absagen aus Angst, dass es in einem Fressgelage endet. Sobald diese Angst präsent ist, gibst du deinem Problem eine Plattform. Und ich kanns nur immer wieder erwähnen, eine Tafel Schoki macht dich genauso wenig dick, wie dich ein einziger Salat dünn macht. Glaub mir, so viel, wie ich mich mit Kalorien auseinandergesetzt hab, weiß ich das. Um 1kg Körperfett zuzunehmen, musst du ungefähr 7000kcal mehr essen, als dein Körper braucht. Eine Tafel Schoki hat zwischen 500 und 600.  Selbst, wenn du so über deinen Bedarf kommst, du würdest nicht mal 100g zunehmen. sagen wir mal, du bist jetzt 20 Jahre alt. Wenn du noch 60 Jahre lebst, hast du noch 21.885 Tage eines tollen Lebens vor dir. Und wenn du 2 mal die Woche ne Tafel Schoki isst, darfst du noch 6152 Tafeln Schoki in deinem Leben essen. Ist das nicht toll?! 🙂

4. Wenn du merkst, dass du es nicht alleine schaffst: hol dir Hilfe!

Dieser Schritt ist einer der größten und schwersten überhaupt. Nicht nur zu sehen, dass man ein Problem hat, sondern sich mit diesem auch noch jemandem anzuvertrauen. Zu offenbaren, dass man Hilfe braucht. Aber genau das ist eines der größten Zeichen von Stärke! Zu wissen „hey, ich schaff das nicht alleine. Aber es gibt Menschen, die mir helfen können, die extra dafür da sind, um Leuten wie mir zu helfen.“ ich weiß wie unendlich schwer das ist, aber wenn du zu tief drin steckst, geh zum Arzt! Dein Hausarzt kann dir Überweisungen geben zu Psychiatern, Psychologen und Experten, die sich genau mit dem beschäftigen, was dein Problem ist. und du brauchst auch keine Angst haben, dass jemand davon erfährt, denn er hat Schweigepflicht. Es gibt Tausende denen es so geht wie dir und die meisten tun ihr Leben lang nichts dagegen oder versuchen es alleine und scheitern. Aber du nicht! Du hast gemerkt, du bekommst es alleine nicht hin und es steckt etwas tieferes hinter deinem Problem. DAS IST STÄRKE! Wie im Alltag kann es natürlich auch bei einer Therapie sein, dass du mit dem, der dir helfen sollst, nicht so klarkommst. Das ist nicht schlimm, denn du darfst zu mehreren gehen, bis du jemanden findest, wo du das Gefühl hast, dass du ihm vertrauen kannst und er dich versteht. Und irgendwer wird zu dir passen und dir helfen können und dich verstehen, auch wenn du vielleicht ein bisschen suchen musst.

5. Fallen ist keine Schande, nur liegen bleiben!

Vielleicht wird es auf deinem Weg Stürze geben. Du wirst stolpern und hinfallen. Vielleicht läufst du monatelang ohne Probleme und plötzlich passiert es: du ertappst dich dabei, in alte Muster zu verfallen. Dazu kann ich dir nur sagen, dass du jetzt auf keinen Fall aufgeben darfst!! Es ist jetzt weder alles kaputt, noch bist du ein Versager. Sondern ein Reisender, der sich kurz verlaufen hat. Du musst aufstehen, nach vorne schauen, deinen Weg fortsetzen! Auch, wenn du es anfangs vielleicht nur eine Woche schaffst – irgendwann sind es 2 Wochen, dann 3 Wochen, dann 4. Und ganz bald schaffst du es komplett! Es gibt nun mal Reisende, die länger brauchen als andere. Manche verlaufen sich, anderen drehen sich im Kreis, wieder andere erreichen das Ziel auf geradem Weg. Wichtig ist, dass man dieses Ziel nie aus den Augen verliert und niemals aufgibt.

Ich hoffe, manchen von euch gibt dieser Blogpost Mut und sie können sich meine Gedanken verinnerlichen und zu Herzen nehmen. Nichts auf dieser Welt ist es wert, sein Leben daran kaputtzumachen und ich bin mir so sicher, dass ihr alle tolle Mädchen seid. Ein solches Problem ist kein Zeichen für Charakterschwäche oder dass man kein guter Mensch ist. Es gibt Tausende, denen es so geht und niemand gerät bewusst in eine solche Situation. Jeder kann es schaffen! Das Leben hat so so viel mehr zu bieten und jeder Tag ist kostbar. Fang heute an, etwas zu ändern und du wirst es dir morgen danken. Ich schick euch allen eine riesen Umarmung und ganz ganz viel Kraft auf eurem Weg.

Eure Nati ♡

Ein Kommentar zu “der Weg zu einem gesunden Essverhalten und wieso du noch über 6000 mal Schoki essen kannst :-)

  1. Was ein toller Text!! Er gibt mir so viel Mut und zeigt mir, dass du definitiv Ahnung davon hast wovon du sprichst! Mach weiter so, du bist super! 🙂

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